Die Kolpingsfamilie Burgsinn wurde im Jahre 1949 auf Anregung des damaligen Ortsgeistlichen Pfarrer Anton Haselbrunner gegründet und ist Mitglied im Kolpingwerk Deutschland und des Internationalen Kolpingwerkes. In Deutschland gibt es ca. 275.000 Verbandsmitglieder, weltweit sind es 400.000, die in 4500 Kolpingsfamilien in 52 Staaten der Erde organisiert sind. Die Kolpingsfamilien berufen sich auf den Sozialreformer Adolph Kolping, der von 1813 bis 1865 in Köln als katholischer Priester gelebt hat. Die Hauptaufgaben des Verbandes liegen in der Förderung von Religion, Bildung und Erziehung, Jugend- und Altenhilfe sowie der Völkerverständigung.
Zur Gründungsversammlung der Burgsinner Kolpingsfamilie am 20. März 1949 im Gasthaus Wenzel kamen ca. 80 interessierte Teilnehmer, von denen sich 49 in eine vorbereitete Liste als Mitglieder eintrugen. Wenige Wochen später wurde die erste Vorstandschaft gewählt und man beschloß, ein anspruchsvolles Jahresprogramm aufzustellen und sich wöchentlich einmal zu treffen.
Diese wöchentlichen Zusammenkünfte mussten natärlich mit Themen ausgefüllt werden. Einen breiten Raum nahmen dabei Vorträge ein, die durchwegs von zahlreichen Zuhörern wahrgenommen wurden. Bekannte Persönlichkeiten konnten als Referenten gewonnen werden. Die Lehrerschaft Burgsinns beteiligte sich an dem Bildungsangebot mit zahlreichen interessanten Beiträgen. Auch Mitglieder aus den eigenen Reihen berichteten über ihr Berufsleben und der Präses referierte über religiöse und sozialpolitische Themen. Das Vereinslokal war das Gasthaus Vogt. Dort war eine Kegelbahn vorhanden, sodass hier von den Kolpingbrüdern manche heiße Kugel geschoben wurde.
Dennoch kam die Geselligkeit in den Anfangsjahren der Burgsinner Kolpingsfamilie nicht zu kurz. Familienabende, Vereinsausflüge in die nähere Umgebung, Faschingsbälle und die Nachkirchweih bildeten einen festen Bestandteil im Jahresprogramm. Einen weiteren Höhepunkt im Vereinsleben der fünfziger Jahre bildeten die zahlreich aufgeführten Theaterstücke im Kindergarten und später im Pfarrheim. Stücke wie "Die Erben von Schloß Ülzenpritz" oder "Der Wächter von Minoriten" sind manchen Älteren heute noch in guter Erinnerung.
Ein erster Höhepunkt im Vereinsleben der Kolpingsfamilie war der 23. Mai 1953. Bei Anwesenheit von weiteren 12 Kolpingsfamilien wurde das Banner geweiht. Die Festpredigt hielt Studienrat Emil Krausert, Aschaffenburg. Bei der Festkundgebung vor der Kirche referierte der Bundestagsabgeordnete Hugo Karpf über das Thema "Der Kolpingsohn in der Zeit".
Die erste große personelle Veränderung in der noch jungen Geschichte der Kolpingsfamlie Burgsinn vollzog sich im Jahr 1955. Bei einer Mitgliederversammlung teilte der bisherige Präses Pfarrer Anton Haselbrunner den Anwesenden mit, dass er Burgsinn verlassen werde. Am 5. November 1955 wurde der neue Geistliche Pfarrer Franz Rückel eingeführt und übernahm als Präses die Leitung der Kolpingsfamilie.
Der neue Geistliche gewann sehr schnell die Zuneigung der Mitglieder und setzte in den Folgejahren andere Schwerpunkte in der Kolpingsarbeit, ohne dabei auf bewährte Veranstaltungen zu verzichten.
Der neue Präses verstand es, durch seine direkte Art, auf die Menschen zuzugehen und viele neue Mitglieder zu gewinnen. Er gründete mehrere Jugendgruppen, um sie dann in die Kolpingsfamilie zu integrieren. Das religiöse Leben förderte er durch die Veranstaltung zahlreicher Wallfahrten. Zum Beispiel zum Grab Adolph Kolpings nach Köln im März 1960, mit einer Pilgerreise nach Rom im Mai 1962 und die Teilnahme am 3. Bayerischen Kolpingtag in Altötting im Juli 1963. Ein besonderer Höhepunkt für die Kolpingsfamilie war die Teilnahme am 3. Internationalen Kolpingtag im Juli 1965 mit 70 Teilnehmern, zu denen auch die Kolpingkapelle zählte. Die hier aufgeführten Reiseziele sind nur einige Orte, die von den Burgsinner Kolpingmitgliedern am Anfang der Sechziger Jahre angesteuert wurden.
Intensiviert wurden in dieser Zeit auch die Bildungsangebote. Es konnten zahlreiche Refenenten gewonnen werden, die über alle möglichen Themen Rede und Antwort standen. Auch die jährlich stattfindende Jahresrückschau unseres Präses, der ein leidenschaftlicher Fotograf war, fand bei den Mitgliedern der Pfarrgemeinde und auch bei den Kolpingmitgliedern großen Anklang.
Größere Veränderungen im Kolpingwerk und damit auch in der örtlichen Kolpingsfamilie kamen erst wieder im Jahre 1973. Mit der neuen Satzung, die sich das Kolpingwerk gab, wurde bestimmt, daß zukünftig ein Laie, also der Vorsitzende die Kolpingsfamilie nach innen und außen zu vertreten hatte. Der Präses stand weiterhin als geistlicher Begleiter der Kolpingsfamilie zur Seite.
Durch die Umstrukturierung der Kolpingsfamilie kamen in den Folgejahren viele neue Ideen auf, die in das Jahresprogramm aufgenommen wurden. Mit dem Besuch des Bayerischen Kolpingtages in Berchtesgaden im Mai 1974 begann alljährlich eine Serie von mehrtägigen Vereinsausflügen, die sich bis in die Mitte der Achziger Jahre großer Beliebtheit erfreuten. Ziele dieser Ausflüge waren die Österreichischen und Schweizer Alpen.
In den Wintermonaten wurde jährlich eine Skifreizeit für Jugendliche und Junggebliebene organisiert, bei der bis zu 50 Skifahrer teilnahmen. Übrigens ein Programmpunkt, der bis heute stattfindet.
Ein Weinseminar, das jedes Jahr am Kirbfreitag veranstaltet wird, wurde 1976 ins Leben berufen. Auch die ersten Preisschafkopfturniere in Burgsinn wurden in dieser Zeit von der Kolpingsfamilie organisiert.
In den Anfang der Siebziger Jahre fallen auch die ersten Altkleider- und Altpapiersammlungen für Entwicklungshilfeprojekte in Brasilien und Obervolta, in Kenia und Rumänien. Da diese Sammlungen im Laufe der Jahre auf den ganzen Sinngrund ausgeweitet wurden, konnten auch andere Projekte wie die Unterstützung Burgsinner Missionare und der örtliche Kindergarten gefördert werden. Diese Sammlungen zählen bis heute zu den festen Aufgaben, die sich die Kolpingsfamilie gestellt hat.
Auch für innerörtliche Projekte hat sich die Kolpingsfamilie stark gemacht. So wurde im Jahre 1977 ein Kinderspielplatz an der Aura errichtet und mit Spielgeräten versehen, die zuvor von Handwerkern aus der Kolpingsfamilie gefertigt wurden. Nach über 1700 geleisteten Arbeitsstunden konnte die Kolpingsfamilie den Platz an die Burgsinner Kinder übergeben. Die finanziellen Mittel für den Bau hatte zuvor die Kolpingkapelle mit zwei Waldfesten an der Bettlersruh und am Parkplatz am Rhönblick beigesteuert.
Auch an den sportlichen Ehrgeiz der Mitglieder hatte man gedacht. So fanden am Ende der Siebziger und Anfang der Achziger Jahre die bekannten Fußballturniere der Ortsvereine statt, an der sich jedes Jahr auch eine Mannschaft aus der Kolpingsfamilie beteiligte. Nicht weniger sportlich ging es bei der Hochgebirgswandergruppe unserer Gemeinschaft zu. Viele Drei- und auch Viertausender in den Alpen wurden in den vergangenen Jahren bezwungen.
In der Zwischenzeit hatte sich ein weiterer Wechsel in der Führung der Kolpingsfamilie vollzogen. Im November 1983 verabschiedete sich Pfarrer Rückel von der Gemeinde und "seiner" Kolpingsfamilie, wie er es ausdrückte, um nach 28 Jahren segensreichen Wirkens seinen Ruhestand in seiner Heimatstadt Aub zu verbringen.
In Anerkennung seiner herausragenden Verdienste für die Kolpingsfamilie Burgsinn und das Kolpingwerk erhielt er das Ehrenzeichen des Diözesanverbandes Würzburg. Außerdem wurde er anläßlich seines 75. Geburtstages am 15. November 1988 in Aub zum Ehrenpräses ernannt.
Pfarrer Rückel folgte im März 1984 in Burgsinn der neue Geistliche, Präses Pfarrer Alfred Stürmer nach.
In den darauffolgenden beiden Jahren wurde ein weiterer Spielplatz am Kirchrain errichtet. Auch hier hatte die Kolpingsfamilie zusammen mit dem CSU-Ortsverband Hand angelegt. Nach über 1600 Arbeitsstunden hatte man in diesem neuen Baugebiet ein Spielgelände mit zahlreichen Spielgeräten für die dort wohnenden Kinder geschaffen. Der Erlös der Einweihungsfeier im Jahr 1986, fast 3200 DM, wurde dem Kindergarten zur Verfügung gestellt.
Im Juli 1988 nahmen 40 Burgsinner am 5. Bayerischen Kolpingtag in Passau teil, 1989 waren es 60 beim Diözesantreffen in Würzburg. Zuletzt waren wir 1993 in Köln anläßlich der Pilgerfahrt des Diözesanverbandes Würzburg.
Zu den in den siebziger Jahren begonnenen und in den neunziger Jahren regelmäßig stattfindenen Arbeitseinsätzen gehören die bereits erwähnten Altkleider- und Altpapiersammlungen. Außerdem wurde in dieser Zeit der Kolpingbildstock in der Alten Mittelsinner Straße und der Muttergottesbildstock in der Fellener Straße renoviert und neu gestaltet.
Ein besonderer Höhepunkt aller Kolpingmitglieder in der ganzen Welt war die Seligsprechung ihres Gründers Adolph Kolping durch Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1991 in Rom. 37 Kolpingschwestern und -brüder aus Burgsinn waren mit dem Flugzeug, der Bahn und dem Bus angereist, bei diesem einmaligen Ereignis persönlich dabei zu sein um erlebnisreiche und unvergessene Tage in der Ewigen Stadt zu erleben.
Seit diesem Tag wird in den Kolpingsfamilien, natärlich auch bei uns, der Internationale Weltgebetstag des Kolpingwerkes gefeiert. Weitere religiöse Programmpunkte im Jahresprogramm sind die Anbetungsstunde am Gründonnerstag, die Teilnahme an der Frühwallfahrt des Bezirksverbandes Main-Spessart und die Mitgestaltung des Festgottesdienstes am Kolpinggedenktag.
Die Angebote, die die Kolpingsfamilie heute ihren Mitgliedern und allen Interessierten unterbreitet basiert auf den drei Schwerpunkten Bildung, Aktion und Geselligkeit. Dabei summieren sich die Progammangebote auf 20 bis 22 pro Jahr.
Zu den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen zählen neben den bereits erwähnten Arbeitseinsätzen und Bildungsangeboten, vor allem der Seniorennachmittag, ein Familienradltag, sowie eine Familienwanderung mit einer anschließenden Grillfeier und eine Winterwanderung. Dabei wird besonders darauf Wert gelegt, dass alle Angebote sogenannte "offene Veranstaltungen" sind, bei denen auch Nichtmitglieder immer herzlich eingeladen werden.
Trotz der Vielfalt der örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen und Aktionen hat es die Kolpingsfamilie Burgsinn schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. Vor dem allgemeinen Trend, sich nicht mehr an einen Verein zu binden, ist auch die Kolpingsfamilie nicht verschont geblieben. Nur durch die Aufnahme von Jugendlichen, die sich der Kapelle angeschlossen haben, war es möglich den Mitgliederstand in den letzten Jahren einigermaßen konstant zu halten. Für die Vereinsführung wird es in der Zukunft eine wichtige Aufgabe sein, Ideen zu entwickeln und junge Menschen anzusprechen, die bereit sind, sich in einem christlich geprägten Verband zu engagieren.